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Montag, 22. Dezember 2014

Freude im Advent

Dieser Beitrag ist dem jungen Mann von mittlerweile wohl 13 Jahren gewidmet, der bei mir in regelmäßigen Abständen Geschenke für seine Mutter kauft.
Ich bin ihm vor etwa vier Jahren zum ersten Mal begegnet. Er kam in die Buchhandlung, sah sich kurz um und kam dann überraschend selbstbewusst auf mich zu mit den Worten: "Ich suche ein Geschenk für meine Mama. Sie hat bald Geburtstag und liest gern. Am liebsten mag sie Krimis, vor allem die von [...], aber da hat sie schon alle. Zuletzt hat sie das Buch [...] gelesen, das hat ihr richtig gut gefallen. Nicht so toll fand sie das da (zeigt auf einen gängigen Bestseller), aber dafür mochte sie [...] sehr gerne. Können Sie mir vielleicht was Passendes zeigen?" Ich war einen Moment sprachlos darüber, wie gut der Knirps von neun Jahren, der da vor mir stand, den Buchgeschmack seiner Mutter kannte (die meisten Ehemänner kennen ihre Frauen nicht so gut!) und stürzte mich begeistert in die Beratung. Ein paar Bücher verwarfen wir, weil die schon bekannt waren. Schließlich hatten wir drei Bücher in der engeren Auswahl. "Ist es in Ordnung (ja, er sagte "in Ordnung", nicht "okay"!), wenn ich mich kurz hier hinsetze und noch mal in Ruhe die Klappentexte lese?" Ich hätte ihm am liebsten noch Kakao und Kekse hingestellt - wir hatten nur leider weder das eine noch das andere da.
Nach etwa zwanzig Minuten hatte er sich für ein Buch entschieden und bat mich ganz höflich, ob ich ihm nicht eine Umtauschkarte für das Buch geben könne, nur falls seine Mama doch lieber was anderes möchte. Ich bot ihm an, ihm das Buch auch gleich als Geschenk zu verpacken. "Nein, danke. Das ist sehr nett, aber das mache ich lieber selber."
Er kommt immer kurz vor Weihnachten und kurz vor dem Geburtstag seiner Mutter. Er ist immer noch so liebenswert und höflich. Er schenkt ihr immer noch Krimis. Manche hat er jetzt auch schon gelesen (die harmloseren). Jedes Mal, wenn er in den Laden kommt, freu ich mich wie verrückt, dass er wieder da ist. Und jedes Mal muss ich mich zusammenreißen, um ihm nicht Dinge zu sagen wie: "Bewahr dir diese Aufmerksamkeit! Behandle alle Frauen in deinem Leben mit dieser Aufmerksamkeit (und wenn du magst, auch die Männer) und sorge dafür, dass deine Mutter es nicht erfährt! ( ;o) ) Bleib so liebenswert!" Das wäre albern und blöd und überflüssig, deshalb sage ich es ihm nicht.

Letzte Woche kam eine Frau zu mir, ein paar Jahre älter als ich, und musterte mich erstmal ein wenig. Dann meinte sie: "´Sie müssen das sein. Sie sind#s doch, oder?" (Verwirrte und verwirrende Begrüßungen sind nichts Seltenes bei uns im Einzelhandel, also fiel es mir leicht, die Fassung zu wahren.) Ich lächelte und meinte, klar, bestimmt sei ich - wer auch immer sie glaube, dass ich sei. Daraufhin lachte sie und entschuldigte sich und erklärte: "Ich wollte endlich mal die Frau kennenlernen, die meinem Sohn immer die Bücher empfiehlt." Also lernte ich endlich auch mal die Mutter kennen, für die ich mit dem Jungen immer Bücher raussuchte. Schön war das. Ein kleines Weihnachten vorneweg, möchte ich sagen.

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